wunderwahr oder: Wegschauen kann jeder

Der heutige Sonntag war verregnet, außer Arbeiten und ein Stündchen Gassigehen mit meiner Mali war nicht viel los. Gegen Abend beschloss ich, zum Drogeriemarkt im Bahnhof zu fahren – ein paar Besorgungen machen, die ich während der Woche nicht untergebracht hatte.

Ich erledigte den Einkauf und wollte eben zurück zum Auto gehen, als mir zwei #Obdachlose auffielen, die unter dem Bahnhofsvordach saßen. Der eine hielt sich an seinem Rollstuhl fest, der andere an seinem Flachmann; daneben lag ein Hund mit hellem Fell auf dem blanken, kalten Pflaster. Wie gesagt – es war ein Regentag.
Mein erster Impuls: Geh weiter, Geld spenden ist keine Option. Mein zweiter Impuls: Und was kann der Hund dafür?
Ich sah auf die Einkaufstüte in meiner Hand, und der Entschluss war schnell gefasst. Mali konnte gut auch noch bis morgen auf ihre Kaustangen warten. Ich kehrte um und näherte mich dem Trio. Fragte freundlich, ob ich dem Hund etwas schenken dürfe – mit schönen Grüßen von meinem eigenen Hund. Ich durfte. Die beiden Herren bedankten sich wortreich, und der im Rollstuhl rief mir noch nach, wie mein Hund heiße und dass ich ihn schön zurückgrüßen solle.
Ich ging durch den strömenden Regen zum Auto zurück, aber das Bild des Hundes, der da stundenlang auf dem kalten Boden liegen musste, wollte mir noch immer nicht aus dem Kopf. Mein Blick fiel auf den Rücksitz: drei Decken für meinen Hund auf den weichen, warmen Polstern. Mindestens eine zu viel also. Ich nahm die, die überzählig war und „Nimm mich! Nimm mich!“ rief, legte sie zusammen und machte mich auf den Rückweg zu meinen neuen Bekannten.
Das Staunen war groß, als ich fragte, ob ich ihnen noch etwas schenken dürfe, und ihnen die Decke hinhielt. Der Hund, der sich bereits über Malis Kaustangen hergemacht hatte, kam schwanzwedelnd zu mir und ließ sich streicheln, und beide Männer begannen zu erzählen – dass der Hund erst eine OP gehabt habe und deshalb so dünn sei und dass der Tierarzt regelmäßig nach ihm sehen würde. Keiner von ihnen kam auf die Idee, mich um Geld zu bitten. Stattdessen wünschten sie mir lauthals einen „ganz, ganz schönen Abend“, als ich mich zum Gehen wandte, und freuten sich. Von ganzem Herzen, glaube ich. Genau wie ich.
Ich verabschiedete mich endgültig und setzte mich ins Auto. Beim Wegfahren sah ich beglückt, dass sich der Hund bereits auf der ausgebreiteten Decke abgelegt hatte. Mein Lächeln war so breit, dass es nicht nur bis nach Hause reichte. Es ist auch jetzt noch nicht verschwunden.

Mein Gott, ist das einfach: ein bisschen Wärme geben an einem kalten Tag.

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