Trumpelstilzchen oder: Leider kein Märchen

Elmar Theveßen hat am 30. Januar im heute journal die ersten zehn Tage von Trumps Präsidentschaft kommentiert. Ich sehe die Sache genauso wie er. Nur schlimmer.

http://www.heute.de/elmar-thevessen-kommentar-zu-ersten-tagen-von-donald-trump-alarmsignal-fuer-amerika-46441678.html

Drüben, jenseits des Großen Teichs, hat man einen Präsidenten gewählt. Das kommt hin und wieder vor und ist per se noch nicht alarmierend. Alarmierend ist hingegen, und zwar mit Blaulicht und Martinshorn: Der Neue will der ganzen Welt seinen Stempel aufdrücken – und wenn er sie dafür in Schutt und Asche legen muss.

Und rüstig schreitet er zur Tat. Er, der angesichts leisester Kritik dekompensiert, missachtet die Gewaltenteilung, baut mal eben eine monströse Mauer, erlässt antidemokratische Dekrete, wenn manch anderer noch das Frühstücksei köpft, bricht die Verfassung, versucht Medien mundtot zu machen und entfernt selbstherrlich aus hochrangigen Ämtern Personae, die über Nacht non gratae geworden sind. Kurz: Er macht sich 24/7 die Welt, widdewidde wie sie ihm gefällt. Und ebendiese Welt schaut zu.

Mir flößt dieser föngewellte, seelenlose Alien Angst ein, und ich hoffe, Ihnen auch. All das sind keine Kavaliersdelikte; all das wird sich nicht einrenken; all das wird nicht schon wieder werden. „Augen zu und durch“, Aussitzen, Abwarten und Teetrinken sind keine Optionen. Der „Mogul“ (so sein selbstgewählter Secret-Service-Deckname) wird das durchziehen, denn Persönlichkeiten wie er müssen nicht fürchten, dass ihnen ihr Gewissen auf die dicken Finger klopft. Sie haben keines. Das ist herrlich entlastend und schafft Freiräume für das Hätscheln ihres Machtwahns. Wenn dann noch unfassbarer Reichtum hinzukommt, wird die Sache brandgefährlich und das Undenkbare denkbar. Und man kann alles durchsetzen und alle kaufen.

Theoretisch. Praktisch sind nämlich immer noch wir da. Wir anderen. Wir alle. Er ist nur einer, der mit Gewalt und Geld ein kleines Häuflein um sich schart. Sie sind laut, aber wir können lauter sein. Denn wir sind mehr, viel mehr. Was uns zusammenhält, sind stärkere Bande als bedrucktes Papier und Angst. Man nennt sie Werte, und wir haben lange für sie gekämpft. Wer vergessen hat, wie kostbar diese Ideen sind, möge im Geschichtsbuch nachlesen, was wird, wenn das Wort eines Einzigen Gesetz ist und über das Wohl weniger und das Wehe vieler entscheidet.

Die Zeit des Ausruhens ist vorbei. Wir spüren heute schon die Auswirkungen dessen, was weit weg von uns Mr. President täglich ausheckt; wir werden es noch mehr zu spüren bekommen, es wird uns alle erreichen, so oder so. Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sind ab jetzt kein sanftes Ruhekissen mehr. Das ist ausnahmsweise kein alternativer Fakt.

Bei Nero hat damals nur Rom gebrannt. Diesmal wird die ganze Welt brennen, wenn wir nicht auf die Streichhölzer aufpassen. Mit „wir“ meine ich nicht „die anderen“ oder „die Politiker“, sondern „wir alle“. Wir alle müssen aufstehen, unsere kuschelige Komfortzone verlassen und uns auf die Hinterbeine stellen, Seite an Seite. Wir alle müssen ein Bollwerk werden, eine Mauer aus Fleisch und Blut, an der keiner vorbeikommt, unverrückbar und unverhandelbar.

Nicht morgen oder irgendwann mal. Sondern hier und heute. Jetzt.

3 Gedanken zu „Trumpelstilzchen oder: Leider kein Märchen

  1. Keine Toleranz für Rassisten, Nationalisten und Faschisten! Weder in den USA, noch sonstwo. Und in unserem Land schon gar nicht. Auch weil schon J. W. v. Goethe erkannt haben soll: „wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf“! Deswegen, Keinen Fußbreit den Rassisten, Nationalisten und Faschisten!

  2. Fantastischer Artikel, inhaltlich auf den Punkt gebracht und sensationell geschrieben. Danke dafür! Lebe zur Zeit in Nicaragua und sehe, was Diktatur bedeutet…
    Bin nicht erstaunt, aber tief entsetzt über die weltweit herrschende Zögerlichkeit. Ja, es obliegt jedem einzelnen von uns, ein Zeichen zu setzen!

    Sonne und gute Gedanken aus Managua

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