So ein Zirkus

Das kleine Mädchen schnupperte zum ersten Mal in seinem Leben Zirkusluft. Von fern schon sah man das riesige Zelt mit der gestreiften Kuppel, der Geruch von gebrannten Mandeln und Zuckerwatte lag in der Luft, und je näher man dem Kassenhäuschen kam, desto lauter wurde das Tschingderassassa der Kapelle. Dem Kind klopfte das Herz bis zum Hals. Bald würde es die fremden Tiere sehen, die es im Wald nicht gab.

Zirkus.ws

Von seinem Platz aus beobachtete es das Treiben in der Manege. Das kleine Mädchen konnte kaum hinschauen, als die Akrobaten hoch droben unter der Zirkuskuppel herumschaukelten, und der Clown mit seinem aufgemalten Lachmund war ihm irgendwie suspekt. Aber es war ja sowieso nur wegen der Tiere hier.

Und dann kamen die Tiere, und das kleine Mädchen traute seinen Augen kaum. Nein, so etwas gab es wirklich nicht im Wald.

Ein Bär mit einem Hütchen auf dem Kopf fuhr Rad und führte ein Tänzchen auf. Die Menge johlte, lachte und klatschte, und als dem kleinen Mädchen einfiel, wie frei die Rehe und Hasen sich im Wald bewegten, wurde es ganz still.

Sechs Tiger sprangen durch brennende Reifen und rollten sich im Sand vor ihrem Dompteur. Die Menge johlte, lachte und klatschte, und als dem kleinen Mädchen einfiel, wie sehr Katzen Feuer fürchten, wurde ihm angst und bange.

Vier Elefanten drehten auf bunten Schemeln Pirouetten und machten einen Handstand. Die Menge johlte, lachte und klatschte, und als dem kleinen Mädchen einfiel, wie klug schon sein kleiner Hund war, schämte es sich sehr.

Die Menge johlte, lachte und klatschte noch lange weiter, doch dem kleinen Mädchen war längst Hören und Sehen vergangen. Sie wollte nur noch nach Hause und schnell in den Wald: sichergehen, dass es allen gut ging. Dass es ihnen besser ging als denen hier.

Das kleine Mädchen war traurig. Das kleine Mädchen war ich.

Ich habe nie wieder einen Fuß in einen Zirkus gesetzt. Und ich frage mich immer noch, wieso man Kindern Vorstellungen zumutet, in denen Tiere zu widernatürlichem Verhalten vergewaltigt werden. Denn was lernen die Kids wohl daraus? Dass es in Ordnung ist, Wehrlosen die Freiheit und den freien Willen zu nehmen. Und dass man mit Gewalt alles erreichen kann.

Am 12. Mai dieses Jahres musste sich Jan Peifer vom Deutschen Tierschutzbüro vor Gericht dafür verantworten, dass er öffentlich behauptet hat: „Circus Krone quält Tiere“. Das Diktum wurde als zulässige freie Meinungsäußerung eingestuft, der Zirkus verlor. Und zwar gleich doppelt, denn dank des öffentlichen Aufsehens durch die Strafanzeige zieht der beanstandete Slogan nun immer weitere Kreise. Und wie schon die Römer wussten: Semper aliquid haeret – es bleibt immer etwas hängen. Auch bei Menschen, die heute noch in den Zirkus gehen. Morgen aber vielleicht schon nicht mehr.

Ein Gedanke zu „So ein Zirkus

  1. Wer mit eigenen Augen gesehen hat, wie Elefanten bei Krone angebunden sind (übrigens laut Krone Angaben mind. 10 Std. am Tag), wer mit eigenen Augen gesehen hat, das Löwen nur einen mini Auslauf haben, der wird -wie ich- zwangsläuftig der Meinung sein, dass Krone Tiere quält.

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